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Der Humusaufbau: Die Grundlage für nachhaltige Landwirtschaft...

Der Humusaufbau: Die Grundlage für nachhaltige Landwirtschaft

Liebe Leserinnen und Leser,

in der heutigen Ausgabe unseres Newsletters möchten wir über ein Thema sprechen, das für die Zukunft der Landwirtschaft von entscheidender Bedeutung ist: den Humusaufbau. Humus ist ein essenzieller Bestandteil gesunder Böden und spielt eine zentrale Rolle für die Fruchtbarkeit und Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Flächen. Doch was genau ist Humus und warum ist sein Aufbau so wichtig?

 

Was ist Humus?

Humus ist die Gesamtheit der abgestorbenen organischen Substanz im Boden. Dabei handelt es sich um ein komplexes Gemisch von organischen Stoffen, die aus pflanzlicher, tierischer und mikrobieller Herkunft stammen. Diese organischen Materialien unterliegen permanenten Ab-, Um- und Aufbauprozessen im Boden. Die Humusvorräte des Bodens werden in verschiedene Pools unterschiedlicher Stabilität und Lebensdauer eingeteilt.

Ein bedeutender Anteil der Humusvorräte wird als Dauerhumus bezeichnet. Diese Fraktion ist langfristig im Rahmen der Bodenbildung entstanden und kann heute durch Bewirtschaftungsmaßnahmen nur noch wenig beeinflusst werden. Der Dauerhumus ist durch Verweilzeiten von Hunderten bis Tausenden von Jahren gekennzeichnet und umfasst einen beträchtlichen Teil der Humusvorräte in verschiedenen Bodentypen.

Eine weitere wichtige Fraktion ist der Nährhumus, zu dem alle über die Ernte- und Wurzelrückstände sowie über organische Düngemittel zugeführten organischen Materialien gehören. Diese labile Humusfraktion ist aktiver und unterliegt schnelleren Abbauprozessen im Boden im Vergleich zum Dauerhumus.

Der Humusumsatz im Boden erfolgt in einem offenen Fließgleichgewicht zwischen Zufuhr und Abbau organischer Substanz. Diese Umsetzungs- und Abbauprozesse werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst, darunter die biochemische Zusammensetzung der organischen Substanz, die Nährstoffverfügbarkeit, die Bodenbearbeitung und das Klima.

 

Die Bedeutung des Humusaufbaus

Der Humusaufbau ist ein zentraler Aspekt nachhaltiger Landwirtschaft aus mehreren Gründen:

Bodenstruktur und Wasserspeicherung

Humus spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Bodenstruktur. Durch die Bildung von Ton-Humus-Komplexen fördert er die Aggregation des Bodens, was zu einer stabilen Krümelstruktur führt. Diese Struktur ermöglicht eine verbesserte Durchlüftung und Durchwurzelung des Bodens, was wiederum die Wasserspeicherung und -verfügbarkeit für Pflanzen erhöht. Auf diese Weise trägt Humus dazu bei, die Bodenfeuchtigkeit auch in trockenen Perioden zu erhalten und das Risiko von Bodenerosion zu verringern.

Nährstoffversorgung für Pflanzen

Humus ist eine wichtige Quelle für Nährstoffe, die für das Wachstum und die Entwicklung von Pflanzen unerlässlich sind. Durch den Abbau organischer Substanz werden Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium und zahlreiche Spurenelemente freigesetzt und für Pflanzen verfügbar gemacht. Diese natürliche Düngewirkung des Humus trägt dazu bei, dass Pflanzen gesund wachsen und hohe Erträge erzielen können, ohne dass zusätzliche chemische Düngemittel eingesetzt werden müssen.

Kohlenstoffbindung und Klimaschutz

Humus ist eine bedeutende Kohlenstoffsenke, da er große Mengen an organischen Kohlenstoffverbindungen im Boden speichert. Durch die Photosynthese nehmen Pflanzen Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf und geben ihn über ihre Wurzeln in Form von organischen Substanzen an den Boden ab. Dort wird der Kohlenstoff im Humus gebunden und kann über lange Zeiträume stabilisiert bleiben. Auf diese Weise trägt Humus dazu bei, den Kohlenstoffkreislauf zu regulieren und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, indem er Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernt und als organische Substanz im Boden speichert.

Förderung des Bodenlebens

Humus ist die Lebensgrundlage für eine Vielzahl von Bodenorganismen, darunter Bakterien, Pilze, Würmer und Mikroorganismen. Diese Bodenlebewesen sind entscheidend für die biologische Aktivität im Boden und spielen eine wichtige Rolle bei der Zersetzung organischer Materie, der Umsetzung von Nährstoffen und der Bildung von Humus. Durch die Bereitstellung von Lebensraum und Nahrung für Bodenorganismen fördert Humus die Bodenfruchtbarkeit und trägt zur Aufrechterhaltung eines gesunden Bodenlebens bei.

Verbesserung der Pflanzengesundheit und -resistenz

Humus kann auch die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegenüber Krankheiten und Stressfaktoren verbessern. Durch die Verbesserung der Bodenstruktur und -fruchtbarkeit schafft Humus optimale Bedingungen für das Wurzelwachstum und die Nährstoffaufnahme der Pflanzen. Darüber hinaus können bestimmte Inhaltsstoffe im Humus das Immunsystem der Pflanzen stärken und ihre Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge verringern. Auf diese Weise trägt Humus dazu bei, die Ertragsstabilität und die Qualität landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu erhöhen.

 

Humusaufbau, konkrete Maßnahmen die die Anreicherung von Humus begünstigen

In der Landwirtschaft sind Strategien zur Förderung des Humusaufbaus von entscheidender Bedeutung für die langfristige Bodengesundheit und Ertragsstabilität. Ein ganzheitlicher Ansatz umfasst eine Vielzahl bewährter Methoden, die sowohl auf die Förderung des Bodenlebens als auch auf die Optimierung der organischen Substanz im Boden abzielen.

Ein zentraler Aspekt ist die Schaffung eines dauerhaften Bewuchses auf den Feldern. Durch eine kontinuierliche Pflanzendecke wird die Bodenoberfläche vor Erosion geschützt und das Bodenleben aktiviert. Pflanzenwurzeln spielen dabei eine Schlüsselrolle, indem sie Kohlenstoff in Form von einfachen Zuckern abgeben, der wiederum von Mikroorganismen genutzt wird, um Humus aufzubauen. Dabei helfen Zwischenfrüchte. Ihr leicht abbaubares Material liefert wichtige Nährstoffe für das Bodenleben und trägt zur Bodenlockerung bei. Insbesondere Leguminosen sind hier von großem Nutzen, da sie Luftstickstoff fixieren und somit eine natürliche Stickstoffquelle für nachfolgende Kulturen darstellen. Die Auswahl einer vielfältigen Zwischenfruchtmischung, die verschiedene Wurzeltypen umfasst, kann die Bodenstruktur verbessern und die Wasseraufnahme fördern.

Die gezielte Nutzung von Leguminosen in der Fruchtfolge trägt nicht nur zur Stickstoffanreicherung im Boden bei, sondern ermöglicht auch die Aufnahme von schwer verfügbaren Nährstoffen wie Phosphor. Ein ausgewogenes Verhältnis von Humusmehrern und -zehrern in der Fruchtfolge ist dabei entscheidend, um den Humusgehalt langfristig zu erhalten und zu steigern. Neue Anbausysteme wie Untersaaten oder Relay Cropping können dazu beitragen, das Bodenleben zu stabilisieren und die Effizienz der Nährstoffnutzung zu verbessern.

Die Wahl der Bodenbearbeitungsmethoden spielt ebenfalls eine wichtige Rolle beim Humusaufbau. Wendefreie Bodenbearbeitungstechniken und Direktsaat helfen dabei, die Bodenstruktur zu erhalten und das Bodenleben zu schonen. Mulchmaterialien, wie Erntereste oder Pflanzenreste, sollten dabei auf dem Feld belassen werden, um das Bodenleben zu fördern und die Humusbildung zu unterstützen.

Die Verwendung von organischen Düngemitteln ist ein weiterer wichtiger Baustein für den Humusaufbau. Wirtschaftsdünger liefern nicht nur wichtige Nährstoffe für die Pflanzen, sondern tragen auch zur Erhöhung der organischen Substanz im Boden bei. Eine ausgewogene Kombination von Kompostgaben und anderen organischen Düngemitteln kann die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig verbessern und zur Humusanreicherung beitragen.

Neben diesen Maßnahmen ist auch die Optimierung des pH-Werts im Boden von Bedeutung. Ein neutraler pH-Wert begünstigt das Bodenleben und fördert die Verfügbarkeit von Nährstoffen für die Pflanzen. Durch eine bedarfsgerechte Kalkversorgung kann der pH-Wert des Bodens reguliert und somit der Humusaufbau unterstützt werden.

Insgesamt erfordert der Aufbau und die Erhaltung von Humus im Boden eine ganzheitliche Herangehensweise, die auf die Förderung des Bodenlebens, die Optimierung der organischen Substanz und die nachhaltige Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen abzielt. Durch die Implementierung dieser Maßnahmen können Sie langfristig die Bodengesundheit und Ertragsstabilität ihrer Felder verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Ihr Landakademie-Team

Newsletter – Archiv

Dezember 2023

EU hält sich mit Entscheidungen zum Düngen und Pflanzenschutz zurück

Die Reaktion auf die mit Spannung erwartete Abstimmung im EU-Parlament zum Einsatz von Pflanzenschutz – auch unter Sustainable Use Regulation (SUR) bekannt – fiel unterschiedlich aus. Dieser sollte reguliert werden, um die Artenvielfalt zu schützen. 50 Prozent weniger Pestizide sollten bis 2030 zur Anwendung kommen sowie Totalverbote in sensiblen Gebieten sahen die Pläne vor.

Die Landwirte selbst sahen das Thema mit Skepsis und selbst der NABU Niedersachsen stellte fest, das zwar eine EU-weite Reduktion von Pflanzenschutzmitteln dringend  notwendig sei, aber die Naturschutzmaßnahmen dürften nicht dazu führen, „das landwirtschaftliche Betriebe in Schwierigkeiten geraten oder aufgeben müssten“. Am Ende kippte das EU-Parlament mit 200 gegen 207 Stimmen bei 121 Enthaltungen den Vorschlag.

„Das man in Brüssel zu keinem Kompromiss gekommen ist, ist kein Grund zur Freude“, monierte die niedersächsische Landwirtschaftministerin Miriam Staudte und sah in der Ablehnung Anzeichen für den beginnenden Wahlkampf zur Europawahl 2024.

Zustimmung für das Votum kam vom baden-württembergischen Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk (CDU). Nach seiner Ansicht können viele im Bundesland bedeutende Bereiche wie Obstbau, Weinbau oder Hopfen nicht ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht erfolgreich angebaut werden. Der Entwurf aus Brüssel hätte auf rund 30 Prozent der Flächen des Landes gegolten und vielen Betrieben den Produktionsgrundlagen entzogen. In Nordrhein-Westfalen wären bei einem Anwendungsverbot aller Pflanzenschutzmittel 90 Prozent der Ackerfläche betroffen gewesen. Minister Hauk verwies aber darauf, dass die Landesregierung bis 2030 die Anwendung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel um 40 – 50 Prozent senken will: „Baden-Württemberg  hat mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz vorgemacht, wie man Pflanzenschutzmittelreduktion gemeinsam mit der Landwirtschaft und nicht gegen sie lösen kann“, so der Minister. Damit gäbe es seiner Meinung nach wirkungsvollen Alternativen zum Pauschalverbot. Seine niedersächsische Amtskollegin will die Zeit bis zu einer neuen EU-Verordnung nutzen, Reduktionsbemühungen im Rahmen des „Niedersächsischen Weges“ fortzuführen.

Für die Landwirte bleibt nun erst einmal Zeit zum Durchatmen. Bereits eine Woche zuvor hatte die EU-Kommission die Zulassung für das Pflanzenschutzmittel Glyphosat um weitere zehn Jahre verlängert, so dass auch hier eine gewisse Planungssicherheit besteht. Im Vordergrund für die Landwirte steht deshalb beim Thema Reduktion von Pflanzenschutzmitteln der Blick auf die einzelnen Aktivitäten der Landesregierungen.

Dünge-Innovation auch ohne Verordnung

Den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann Carsten Stegelmann schon jetzt um 50 Prozent reduzieren – ganz ohne Vorgaben von der EU oder den Ländern. Der Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern hat eine digitale Feldspritze entwickelt, mit der dieses gelingt. „Der Anspruch ist ja, nachhaltig und ressourcenschonend zu wirtschaften, alleine schon, um gesunde Böden an die nächste Generation weiterzugeben“, so das Credo des Chefs der Dersekower Agrar AG. Der Hof bewirtschaftet 1 500 Hektar mit Ackerbau und erneuerbaren Energie und baut unter anderen Weizen, Mais und Zuckerrüben an. Finanziell unterstützt wurde das Vorhaben von der landwirtschaftlichen Rentenbank, die alle wichtigen Förderzwecke im Programm hat.

Pflanzenschutzmittel verhindern Wildschäden

Der beste Schutz vor Wildschäden, die gerade in der kalten Jahreszeit vermehrt auftreten, sind wildsichere Zäune. Drahthosen oder Verbiss- und Fegeschutzspiralen dienen als Einzelschutz vor allem für junge Bäume. Der Auf- und Abbau ist jedoch sehr zeitaufwändig. Auch Pflanzenschutzmittel können zur Verhütung von Wildschäden eingesetzt werden. Diese enthalten beispielsweise Blutmehl, Fischöl oder Quarzsand. Diese Stoffe schrecken aufgrund ihrer Farbe und des Geruchs ab. Sie reizen die Schleimhaut und beeinträchtigen den Kauvorgang. Die Mittel können großflächig ausgebracht, als Stamm-oder Terminaltriebbehandlung mit einem tragbaren Gerät gespritzt oder mit einem Pinsel gestrichen werden, wie der Amtliche Pflanzenschutzdienst am Regierungspräsidium Stuttgart empfiehlt.

Auf ein gutes Jahr 2024!

Hinter uns liegt ein Jahr des Übergangs, das viele Landwirte vor neue Herausforderungen stellte. Sei es bei den Übergangsregelungen der GAP-Förderungen oder bei der EEG-Einspeisevergütung. Hinzu kamen internationale Krisen, die dafür sorgten, dass die Märkte im Agrarsektor weiter volatil blieben. Landwirte, die dieses Jahr gemeistert haben, werden auch 2024 optimistisch in die Zukunft blicken.

Dafür wünschen wir Ihnen alles erdenklich Gute!

Carsten Bünz, Leiter Landakademie und Torsten Holler, Autor des Newsletters

November 2023

Pflanzenbau unterm Solardach – neue Möglichkeiten für Landwirte

Hoch aufgeständerte Photovoltaik-Anlagen sind auf Deutschlands landwirtschaftlichen Flächen noch recht wenig zu sehen. Das soll sich nach den Willen der Bundesregierung im Bereich der Agri-PV-Anlagen in den nächsten Jahren verändern.  Denn solche Anlagen produzieren nicht nur den dringend benötigten Ökostrom, sondern haben noch einen immensen Vorteil für die Umwelt: der Boden unter den Solarflächen muss nicht versiegelt werden und steht weiterhin für eine agrarwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung. Für den Landwirt bedeutet das den Erhalt seiner Flächenprämien und des Agrarstatus und somit seines landwirtschaftlichen Vermögens. Zusätzlich profitiert der Agrarbetrieb bei Eigeninvestitionen von der Einspeisevergütung nach dem EEG-Gesetz beziehungsweise von einer attraktiven Pachtzahlung bei Investitionen durch einen Anlagenentwickler,  die ihm Zusatzeinkommen verschaffen. Ab einer lichten Höhe von 2.10 kann je nach Größe der Anlage eine fixe EEG-Vergütung von derzeit 7ct/kWh bis ein MWp oder aber im Rahmen einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur der Zuschlag für einen Höchstwert von 9,5 ct/kWh ab 2024 erzielt werden. Bei dem in diesem Bereich führenden Unternehmen SUNfarming sind die Solaranlagen so konstruiert, dass Regenwasser gesammelt und verteilt wird. Zudem sorgen bifaziale Glas-Glas Solarmodule für ausreichenden Lichteinfall.

Welche Möglichkeiten ergeben sich im Pflanzenbau? Bestehende Acker- und Weideflächen bleiben erhalten. Darauf können dann beispielsweise Rinder, Schafe, Geflügel und andere Nutztiere gehalten werden.  Weitere Einsatzmöglichkeiten sind der Anbau von Obst und Gemüse oder Heilkräuter. Auch für Weinbauern oder Hopfenbauern sind solche Lösungen interessant. Im Obstbau bieten nach Ansicht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft solche Anlagen zugleich Schutz vor Hagel-, Frost- und Dürreschäden.

In ihrem Forschungszentrum in Rathenow bei Berlin hat die SUNfarming GmbH entsprechende Versuche im Pflanzenbau unter verschiedenen Agri-PV-Anlagetypen seit mehreren Jahren in Bewirtschaftung. So wurde speziell für Flächen, die nach GLÖZ 8 stillgelegt werden, eine entsprechende Mischung mit 40 verschiedenen Wildblumensamen erfolgreich erprobt. Neben diversen Kleearten sind unter anderem Klatschmohn, Echter Pastinak und Natterkopf enthalten. Diese verschiedenen Grassorten in der Mischung erhöhen die Futterqualität und Weidetauglichkeit. Zugleich wird dadurch die Bodenstruktur verbessert. „Unter Agri-PV-Anlagen lohnt es sich, statt einzelner Gräser und Blühpflanzen eine vielseitige Mischung anzubauen, die sich der Umwelt anpassen kann. So können trockenverträgliche als auch feuchtigkeitsliebende Pflanzen eingesetzt werden“, schildert der Betriebsleiter Pflanzenbau des Agri-PV- Forschungszentrums, Michael Bleiker, die Ergebnisse.

 

Bio-Dünger aus Mikroorganismen als Alternative

Noch Ende letzten Jahres herrschte bei Landwirten und Bauernverbänden die Angst, dass es zu einem Mangel an Dünger kommen würde und die Preise durch die Decke schießen würden.  Die Abhängigkeit von den Preisen für Öl und Gas sorgten bei Stickstoff, Phosphat, Kali für volatile Märkte, die sich aber inzwischen wieder eingepegelt haben. Der Lausitzer Unternehmer Lutz Stache hat sich seither mit den Möglichkeiten von rein organischem Dünger beschäftigt und ein diesbezügliches Produkt aus Österreich in Lizenz unter dem Namen „BioFarm“ auf den deutschen Markt gebraucht. Der Dünger besteht aus Mikroorganismen, die Milchsäure, Auxine und Siderophore ausscheiden. Auxine beispielsweise fördern das  Wurzelwachstum. Michsäure machen Phosphatverbindungen für die Pflanzen leichter verfügbar, während Siderophore als kleine Transportproteine die Nährstoffaufnahme generell verbessern. Außerdem unterstützt der Bio-Dünger die Pflanzenheilung, etwa nach Hagel, damit sich die Wunden wieder schließen und nicht faulen. Die dadurch gestärkte Abwehrkraft der Pflanzen vermindert das Ausbreiten von Krankheiten. Die Erträge können laut BioFarm bei langfristiger Anwendung zu einer Steigerung der Erträge bis zu 35 Prozent führen. Der Dünger ist in der Betriebsmittelliste für ökologische Produktion in Deutschland gelistet und eignet sich für alle Arten von Getreide, Kartoffeln, Raps, Mais und Gemüse. Vor dem Hintergrund, dass insbesondere in den Ländern an neuen Düngeverordnungen gearbeitet wird, können solche Alternativen für die Landwirte an Bedeutung gewinnen. www.biofarm.gmbh

 

Förderung für Modellvorhaben zum integrierten Pflanzenbau in Sachsen-Anhalt

Für die Mitwirkung am Modell- und Demonstrationsvorhaben „Demonstrationsbetriebe Integrierter Pflanzenbau“ sucht die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Agrarbetriebe aus Sachsen-Anhalt. In den Betrieben sollen Maßnahmen zu folgenden Handlungsfeldern umgesetzt werden: Pflanzenschutz/Digitalisierung, Biodiversität sowie Kulturpflanzenvielfalt und Fruchtfolge. In Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt sollen unter anderem im Rahmen des Zwischenfruchtanbaus verschiedene Verfahren etwa bei der Saatgutumstellung oder Blühstreifen-Maßnahmen unter besonderer Berücksichtigung von regionalen Wildkräutern evaluiert werden. Erstattet werden können unter anderen anteilige Förderungen für vorhabenbezogene Investitionsmittel sowie Sachmittel für Wissentransfermaßnahmen.  Noch bis zum 29. Dezember 2023 sind formlose Interessensbekundungen per Mail unter projekttraeger-agrarforschung@ble.de möglich.

Oktober 2023

GAP im Pflanzenbau nach einem Jahr des Übergangs

Was bereitet den Landwirt in seinen Planungen mehr Sorgen: das Wetter oder die GAP-Regelungen? „Definitiv die GAP-Regelungen“, schildert André Scharkowski, Agrarberater bei der Landwirtschaftlichen Beratung der Agrarverbände Brandenburg LAB GmbH seine Erfahrungen. „Durch die vielen Details und die Ökoregelungen ist das alles für den einzelnen Betrieb sehr kompliziert. Manche Agrarbetriebe stellen deshalb auch gar keine Anträge und verzichten auf das Geld aus der Agrarförderung.“

In der Tat: 2023 war in der GAP – Förderung ein Übergangsjahr, zu einem Großteil der Tatsache geschuldet, weil man nicht wusste, wie sich beispielsweise der militärischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine entwickeln würde. Zum anderen war es der Beginn einer neuen Förderperiode in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU – nichts anderes bedeutet der Begriff GAP –, was immer zu neuen Vorschlägen durch die Agrarminister der Mitgliedsstaaten führte. Da aber Landwirte gezwungen sind, spätestens ab Herbst nach dem Ende der Haupternte für das Jahr 2024 die Planungen vorzunehmen, bleibt es bei diesem Übergangsjahr.

Landwirte müssen insbesondere auf den guten landwirtschaftlichen und ökologischen Zustand – im Agraramtsdeutsch abgekürzt GLÖZ – achten. Hier gibt es neun Standards, von denen aber drei in den kommenden Monaten wichtig sind:  GLÖZ  6, der die Mindestbodenbedeckung festlegt, GLÖZ 7, der Anforderungen an den Fruchtwechsel beinhaltet und GLÖZ 8 mit Maßnahmen zu Stilllegung von Ackerflächen.

Eine Mindestbodenbedeckung nach GLÖZ 6 ist vom 15.11. 2023 bis zum 15.1.2024 auf mindestens 80 Prozent der Ackerfläche Pflicht. Hier können zum Beispiel die Stoppeln der Vorfrucht ohne jegliche Bearbeitung stehen gelassen werden. Auch der Anbau mehrjähriger Kulturen, von Winterkulturen und Zwischenfrüchten ist möglich.

Erstmals für das Anbaujahr 2024 gelten die Vorschriften zum Fruchtwechsel nach GLÖZ 7. Dieser muss  jährlich auf mindestens 33 Prozent der Ackerfläche eines Betriebes erfolgen. Auf weiteren 33 Prozent der Fläche kann man die Kulturen entweder jährlich wechseln oder alternativ Zwischenfrüchte oder Untersaaten anbauen. Spätestens im dritten Jahr müssen dann – basierend auf die Bezugsjahre 2022 und 2023 – auf allen Ackerflächen eines Betriebes andere Kulturen angebaut werden.

Bewirtschaftet der Betrieb bis zum 15.05.2024 mehr als 10 Hektar, müssen vier Prozent der Anbaufläche nach GLÖZ 8 stillgelegt werden. Die reguläre Mindestgröße der Stilllegung liegt bei 0,1 Hektar. Jedoch beginnt der Zeitraum schon jetzt unmittelbar nach der Hauptfruchternte, was deshalb schon jetzt wichtig ist für die Anbauplanung in der neuen Saison. Für die Stilllegung bieten sich unterschiedliche Flächen an, darunter Ackerbrachen oder weit entfernte Flächen, um weite Wege und Pflegearbeiten und damit wertvolle Arbeitszeit zu sparen. Die Stilllegungsflächen können in den Folgejahren rotieren, etwa im Rahmen der Fruchtfolge.

Fazit:  Vielerorts herrscht Verunsicherung, was die neue GAP – Förderung unter Berücksichtigung der GLÖZ – Bedingungen bedeutet. Zudem interpretieren viele Bundesländer die Vorgaben gerade selbst für sich. Angesichts der Tatsache, dass jeder Betrieb individuell in Größe und Betriebsprofil aufgestellt ist, empfiehlt sich die Nachfrage bei den örtlichen landwirtschaftlichen Behörden oder die Hinzunahme eines offiziellen Beraters.

 

Agrisolar im Pflanzenbau

Neben dem Landwirtschaftsminister von den Grünen, Cem Özdemir, mischt seit geraumer Zeit auch sein Parteikollege Wirtschaftsminister Robert Habeck, in der Agrarwirtschaft mit. Zu Habecks Ressort gehören auch die Energiepolitik und damit die Förderung der Erneuerbaren Energien. Und so kümmert er sich auch um das Thema Agri-Photovoltaik. Das sind aufgeständerte Solaranlagen, unter denen Obst, Gemüse und andere Kulturen angebaut werden können oder auch Tierhaltung betrieben werden kann. Der zweifellos wichtigste Vorteil dieser Anlagen: die Fläche unter der PV-Anlage wird im Gegensatz zu herkömmlichen Photovoltaikanlagen nicht versiegelt und steht deshalb der landwirtschaftlichen Nutzung weiterhin zur Verfügung. Für die Landwirte ergeben sich hier zusätzliche Einnahmequellen, zum einen mit der EEG – Einspeisung mit einem zusätzliche Agri-PV-Bonus, zum anderen, wenn er die Anlage nicht selbst baut, sondern seine Fläche an ein Unternehmen verpachtet, dass solche Anlagen errichtet. Eines der auf die Entwicklung solcher Anlagen spezialisiertes Unternehmen ist die Sunfarming GmbH aus Erkner bei Berlin, die im brandenburgischen Rathenow ein Test- und Versuchsfeld betreibt. Dort können das Zusammenspiel von Agri-PV und Landwirtschaft betrachtet werden und Rückschlüsse für Fruchtfolgen oder Stilllegungsflächen nach GAP und GLÖZ im eigenen Betrieb unter Einbeziehung von Agri-Solar-Anlagen gezogen werden.

 

Diskussion um Torfersatz

Die Garten- und Zierpflanzenanbauer und Baumschulen sind angesichts der aktuellen Diskussion um den Ersatz von Torf als Zuschlagsstoff für Gartenerden genervt. Seit Jahrzehnten setzen die Betriebe auf Torf, bietet dieser doch alles, was den Pflanzen gut tut. Er hat ein hohes Porenvolumen und versorgt damit die Pflanzwurzeln zuverlässig mit Sauerstoff. Er kann beliebig gedüngt und mittels Kalk auf jeden gewünschten pH-Wert eingestellt werden, ist also perfekt für das Wachstum von Pflanzen und Gehölzen und wird von Heidelbeeren und Hortensien geliebt.  Aber: Torf wird aus Mooren gewonnen, die mittlerweile zu den wichtigsten Speichern von CO² gelten. Pro Hektar binden sie etwa viermal mehr Kohlendioxid als die die Tropenwälder und wirken somit dem Klimawandel entgegen. Baut man Torf ab, werden die Moore trockengelegt, das gespeicherte CO ² gelangt wieder in die Atmosphäre. Deshalb sieht der Klimaschutzplan der Bundesregierung vor,  den Einsatz von Torf in Gartenerden ab 2026 für Hobbygärtner zu verbieten und ab 2030 im Erwerbsgartenbau auf Torf weitestgehend zu verzichten.  Das Konzept aus dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft nennt sich „Torfverminderungsstrategie“. Denn seit rund 30 Jahren befassen sich verschiedene Interessengruppen und wirtschaftliche Einrichtungen intensiv mit der Suche nach geeigneten Torfersatzstoffen. Bis heute wurde kein Rohstoff gefunden, der alle Kriterien so zuverlässig erfüllt wie Torf, wie Michael Emmel, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Hannover – Ahlem, festgestellt hat. Vieles wurde und wird probiert: der Einsatz von Gärresten wie Mais, Schafwolle, Holzfaser, Kokosfasern oder Kompost. Aber noch geht nichts über Torf – außer den Erreichen der Klimaschutzziele.

 

Neues aus Bund, Ländern und EU

Ausgezeichnet

Lernen von den Besten: Einen Preis beim diesjährigen Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau, bei dem das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft innovative Betriebe auszeichnet, gewann kürzlich der Ackerbaubetrieb Mühlenhof in Halle (Nordrhein-Westfalen). Das 100 Hektar große Agrarunternehme hat ein besonderes Anbausystem mit Misch- und Untersaaten entwickelt, bei dem zum Beispiel Kleegras mit Roggen und Raps gemeinsam mit Winterwicke und Rohrschwingel angebaut wird. Das ermöglicht eine nahezu ganzjährige Bodenbedeckung, die nicht nur für mehr Biodiversität auf den Ackerflächen sorgt, sondern auch Bodentemperatur und Wasserverdunstung senkt. Zudem gibt es weniger Unkraut. Das neue Anbaukonzept ermöglicht bei zunehmender Hitze und Trockenheit und zunehmenden Wassermangel im Frühjahr und Sommer einen ganzjährigen erfolgreichen Anbau. Eine gute Anregung für das Thema Fruchtfolgen.

Texte:

Torsten Holler

Der Journalist aus Berlin berichtet seit über drei Jahrzehnten unter anderem aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft.